Emissionserlös erklärt: Wer erhält das Geld beim Börsengang?

An einem Rechenbeispiel lässt sich nachvollziehen, warum Platzierungsvolumen, frisches Kapital und Nettoerlös unterschiedliche Größen sind.

Veröffentlicht Redaktionell geprüft Wie wir die Daten prüfen

Ein großes Platzierungsvolumen klingt nach viel frischem Kapital. Wie viel davon dem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung steht, zeigt die Schlagzeile allein aber nicht. Entscheidend sind die Herkunft der Aktien und die Kosten des Angebots. Wie auch die Anlegerinformationen der SEC erläutern, erhalten bisherige Eigentümer die Erlöse aus dem Verkauf ihrer Aktien selbst.

Ein Beispiel, drei verschiedene Beträge

Die folgenden Zahlen sind frei gewählt. Sie dienen ausschließlich dazu, die Rechnung zu erklären, und beziehen sich auf keinen tatsächlichen Börsengang.

Angenommen, es werden 20 Millionen Aktien zu jeweils 20 Euro angeboten. Davon gibt das Unternehmen 12 Millionen Aktien neu aus. Weitere 8 Millionen stammen von bisherigen Eigentümern.

Das Bruttovolumen des Basisangebots beträgt 20 Millionen × 20 Euro = 400 Millionen Euro. Auf die neuen Aktien entfallen 12 Millionen × 20 Euro = 240 Millionen Euro. Die bisherigen Eigentümer verkaufen Aktien für 8 Millionen × 20 Euro = 160 Millionen Euro.

Wer die gesamten 400 Millionen Euro als neues Kapital des Unternehmens bezeichnet, rechnet die Verkäufe der Altaktionäre fälschlich hinzu. Der Bruttozufluss für das Unternehmen ist in diesem Beispiel um 160 Millionen Euro kleiner.

Welche Kosten werden abgezogen?

Unterstellen wir nun, dass das Unternehmen 18 Millionen Euro für Bankprovisionen und andere Emissionskosten bezahlt. Von seinen 240 Millionen Euro bleiben dann 222 Millionen Euro Nettoerlös.

Die Kosten einfach vom gesamten Platzierungsvolumen abzuziehen, wäre für die Berechnung des Unternehmenszuflusses falsch. Die 160 Millionen Euro der Verkäufer gehörten von Anfang an nicht dazu. Bei einem echten Angebot musst du außerdem prüfen, wem welche Kosten zugerechnet werden.

Zusätzliche Aktien verändern die Rechnung

Dürfen die Banken über eine Option weitere 3 Millionen Aktien bisheriger Eigentümer zu jeweils 20 Euro erwerben, erhöht sich deren Bruttoverkaufserlös bei vollständiger Ausübung um 60 Millionen Euro. Das gesamte Platzierungsvolumen steigt auf 460 Millionen Euro. Der Bruttoerlös des Unternehmens bleibt dagegen bei 240 Millionen Euro.

Liefert das Unternehmen selbst die zusätzlichen Aktien, fällt die Rechnung anders aus. Halte das Basisangebot und eine tatsächlich ausgeübte Zusatzoption deshalb zunächst getrennt fest.

So entsteht eine nachvollziehbare Übersicht

Notiere Ausgabepreis, neue Aktien, Verkäufe der Altaktionäre, Kosten und Herkunft möglicher Zusatzaktien. Lies anschließend nach, wofür der Nettoerlös eingesetzt werden soll. Eine hohe Platzierungssumme erklärt noch nicht, was das Unternehmen mit seinem Kapital vorhat. Der Leitfaden der Deutschen Börse ordnet Kapitalerhöhungen und Aktienverkäufe bisheriger Eigentümer ein.

Beim Auffinden der Angaben hilft dir unser Leitfaden zum Börsenprospekt.

Häufige Fragen

Fließt das gesamte Platzierungsvolumen an das Unternehmen?

Nein. Erlöse aus Aktienverkäufen bisheriger Eigentümer stehen diesen Verkäufern zu. Das Unternehmen erhält den Erlös aus seinen eigenen Aktienverkäufen abzüglich der ihm zuzurechnenden Kosten.

Ist der Nettoerlös aus einem Börsengang ein Gewinn?

Nein. Er beschreibt die Finanzierungsmittel nach den entsprechenden Emissionskosten. Mit dem Umsatz oder dem Gewinn aus dem laufenden Geschäft ist er nicht gleichzusetzen.

Bringt eine Zusatzoption immer mehr Kapital für das Unternehmen?

Nein. Entscheidend ist, wer die zusätzlichen Aktien liefert. Verkaufen bisherige Eigentümer weitere Aktien, erhalten sie den Erlös.

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